[Annotatie]: Robert Walsers Mikrographie aus den 1920er Jahren führt an die Grenzen des Lesbaren: Bis auf ein bis drei Milimeter verkleinert Walser mit dem Bleistift auf denüberlieferten 526 Zetteln seine Handschrift, als schriebe sie sich ins Papier hinein, und, umgekehrt, als kehrte sich das Papier nach Außen, um in der Schrift erst sichtbar zu werden. Zu lesen sind die Mikrogramme als Entwürfe, Skizzen im Kontext von Walsers'Abschreibesystem': Walser selbst hat der Mikrographie vom Standpunkt seiner Reinschriften mit Tinte aus den Status eines'Umweges' zugesprochen. Damit kommt ihnen eine kreatologische, insinuierende Funktion zu, als könnte seine Literatur, mit Tinte ins Reine abgeschrieben, ihre Worte direkt vom mikrographisch flimmernden Papier ablesen. Walsers Satz""""Schreiben scheint mir vom Zeichnen abzustammen"""" entfaltet hierin seine Bedeutung nicht als Genealogie, sondern als Reflexion des eigenen Handelns, Als Ethologie, die Schreiben als Abschreiben begreift und die Mikrographie als Einzeichnung auf dem Papier - eine Literatur des Papiers im Zeichen der Schrift.